Bücher

Diese ausgewählten Bücher möchte ich allen meinen Lesern sehr ans Herz legen. Sollte ich von Büchern erfahren, die noch besser sind als meine Empfehlungen, werde ich diese gerne hinzunehmen. Schick mir deine Empfehlungen.

Erich Fromm, Psychoanalytiker und Philosoph, hat meine Welt reicher gemacht als jeder andere Autor. Er hat uns u. a. zwei zutiefst einsichtige Bücher hinterlassen, die schon vielen vor mir wertvoll waren. In Die Kunst des Liebens, einem Weltbestseller von 1956 und immer noch tagesaktuell, setzt er sich detailliert mit allen Aspekten von Liebe auseinander. Diese wird im allgemeinen Verständnis zumeist auf die romantische Liebe reduziert, umfasst jedoch viel mehr. Sein wohl bekanntestes Werk ist Haben oder Sein von 1976. Es handelt von den zwei Möglichkeiten, sein Leben auszurichten: Auf das Haben, das Leben im Äußerlichen, oder auf das Sein, das Leben aus sich selbst heraus. Es ist mithin eine Fundamentalkritik an der westlichen Sucht nach Besitz, Konsum und Oberflächlichkeit, die wahrer Liebe fundamental entgegensteht.

Erik H. Erikson, US-amerikanischer Psychoanalytiker, arbeitet in Kindheit und Gesellschaft heraus, wie unsere körperliche Entwicklung ab der Geburt, Kindererziehung und Kultur einer Gesellschaft zusammenhängen. Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet, wie Kulturen die individuelle Entwicklung lenken und steuern, um kulturelle Selbstverständlichkeiten gegen freie Selbstverwirklichung durchzusetzen. So verbauen und blockieren sie den Weg zu erfüllter Selbstliebe. All das geschieht völlig automatisch, durch unbewusstes Mitwirken der Kulturträger. „Ein Standardwerk der psychologischen, anthropologischen und ethnologischen Literatur“ (Merkur), und auch für mich als Laien wunderbar verständlich. Denkanregung par excellence.

Fritz Riemann, deutscher Psychoanalytiker, stellt Grundformen der Angst in leicht verständlicher Sprache und die vier großen Ängste vor, welche wir Menschen haben: Die Angst vor Ich-Verlust (Schizoidie), die Angst vor Ich-Werdung (Depression), die Angst vor der Vergänglichkeit (Zwanghaftigkeit) und die Angst vor der Notwendigkeit (Hysterie). Aufgefächert werden diese vier Typen mittels einer genialen Typologie: Jeder Angst ist eine Urkraft unseres Kosmos zugeordnet – die Erdrotation als Ich, die Drehung um die Sonne als Wir, die Erdanziehung als Stabilität und die Fliehkraft als Wandlung. Jede der vier Ängste kann aufgrund von Entwicklungsdefiziten übermäßig ausgeprägt sein. Der Weg zur erfüllten Selbstliebe besteht mithin darin, durch persönliches Wachstum die vier Ängste in Balance zu bringen.

Michael Winterhoff, klinischer Psychiater, beschreibt in Warum unsere Kinder Tyrannen werden drei Beziehungsstörungen zwischen Erwachsenen und Kindern: Partnerschaftlichkeit, Projektion und Symbiose. Diese zerstören die Wurzel unserer Gesellschaft, nämlich die gesunde Entwicklung kindlicher Psyche. Kinder können nicht mehr Kinder sein: Hauptursache ist die eigene Kindlichkeit vieler Eltern, ihre fehlende geistige Entwicklung zum entwickelten Ich, vor allem aber zu emotionaler Selbstbestimmung (ihrerseits ein Aspekt von Selbstliebe). Das Buch bezeichnet damit die enorm negativen Fernwirkungen fehlender Selbstliebe in der Kindererziehung, die sich bei uns gerade entfalten und etwa in Japan bereits fortgeschritten sind.

Marshall B. Rosenberg hat den Dialog quasi neu erfunden: Die Gewaltfreie Kommunikation zeigt uns einen direkten Weg zu eigenen und fremden Bedürfnissen. Klingt öde? Im Gegenteil: Unsere eigene Sprache stürzt uns in Gewalt oder verbindet uns in Liebe – je nachdem, ob wir uns damit voneinander entfremden oder aufeinander zugehen. Rosenberg hat seinen Ansatz in Kriegsgebieten auf der ganzen Welt erfolgreich eingesetzt, privaten wie staatlichen. Kein anderes Buch hat mich jemals so viel über Kommunikation gelehrt und mir so wertvolle, simple Ratschläge gegeben. Die GFK ist ein unverzichtbares Werkzeug für alle, die aus dem alltäglichen Gegeneinander, dem meist völlig unbewussten Krieg gegen sich und andere, ein Füreinander machen wollen. Ein Werkzeug, um sich selbst effektiv zu lieben, und andere wie sich selbst.

Daniel Goleman, Psychologe und ehemaliger Herausgeber der Zeitschrift „Psychology Today“, hat mit seinem Buch EQ – Emotionale Intelligenz eine Debatte darüber angestoßen, was wir unbedingt brauchen, wenn wir lieben wollen: Die Fähigkeit, Gefühle zu verstehen. Sowohl unsere eigenen, als auch die der anderen. Für mich ist das Buch ein Aufruf zu emotionaler Kompetenz, also dem Gebrauch von Empathie. Ohne sie kann kein Herz verstehen, was Liebe ist und wie wundervoll sie sein kann – und wie viel größer die Welt ist, als unser eigenes kleines egozentrisches Universum.